Die Situation auf dem Glasmarkt ist angespannt. Hersteller und Lieferanten klagen über Lieferengpässe und kräftige Preiserhöhungen. FOCUS online erklärt, warum jetzt die Kundinnen und Kunden für die Lage zur Kasse gebeten werden.
Die Glasindustrie in Deutschland kämpft auf breiter Front mit Lieferengpässen. Als Gründe werden die stark gestiegenen Kosten für neue Flaschen und der Mangel an Lkw-Fahrern genannt.
Im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung betont nun Nikolaus Wiegand, Geschäftsführer des Glas-Herstellers Wiegand, dass die Lage auf dem Glasmarkt angespannt bleibt. Die Preise für die Rohstoffe wie Sand, Kalk, Soda und Altglas seien im Vergleich zu den beiden Vorjahren stark gestiegen. „Unser Preisniveau lag im Januar rund 50 Prozent über dem des Vorjahresmonats“, sagt Wieland.
„Einfach sind die Zeiten momentan für uns alle nicht, nicht für die Verbraucher und für uns nicht“, sagt auch Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von Sekthersteller Rotkäppchen-Mumm. Queisser verweist auf hohe Energie- und Rohstoffkosten, die Inflation, Lieferkettenprobleme und Personalengpässe.
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich auf ein neues, nachhaltig höheres Preisniveau einstellen, so der Sekt-Chef. Im Schnitt rechnet er damit, dass Sekt im Supermarkt zwischen 50 Cent und 1 Euro teurer werden.
„Das größte Problem für alle Winzer aktuell ist die Teuerung“, erklärte Winzer Georg Prinz zur Lippe vergangenen Herbst in einem Interview. Und weiter: „Eigentlich hätten wir längst eine Preisanpassung machen müssen“.
Der Weinbau in Sachsen wird die Preise bis 2023 nicht halten können. Vielmehr würden die Weinpreise „sehr stark aus dem Ruder laufen“. Insbesondere der Flaschenpreis sei so stark gestiegen, dass die Winzer diesen Kostenblock nicht mehr selbst auffangen könnten.
Experten rechnen mit Preissteigerungen von 50 Cent bis 2 Euro, wenn sich die Lage nicht bald entspannt. Damit ist aber nicht zu rechnen.
Berentzen-Geschäftsführer Oliver Schwegmann sagte der „Lebensmittel Zeitung“, dass bisher zwar keine Lieferausfälle zu beklagen seien, „aber es kommt schon mal vor, dass eine bestimmte Flaschenform oder Farbe nicht zum ursprünglich geplanten Termin geliefert wird“. Das Unternehmen hatte bereits im Vorjahr Preiserhöhungen angekündigt.
Auch andere Spirituosen-Hersteller schlossen sich der Preisanpassung an und gehen nun einen schritt weiter. Besonders Wodka, Gin und Rum ist bei Edeka und Rewe, so der FOCUS Online Preisradar, in den Vorwochen um 90 Cent bis 2,50 Euro teurer geworden.
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch das Marmeladen- und Konfitürengeschäft. Der zu Nestlé gehörende Zentis-Konzern meldete für 2022 erstmals einen Verlust im operativen Geschäft. Aufgrund der hohen rohstoff- und energieintensiven Produktion habe das Unternehmen Preiserhöhungen von gut 140 Millionen Euro zu verkraften gehabt.
Das spürten Verbraucherinnen und Verbraucher auch im Supermarkt-Regel. Der Preis für das Glas Konfitüre von Zentis stieg im Vergleich zum Dezember 2021 um satte 20 Prozent an. Und Experten rechnen mit weiteren Preissteigerungen. Erst kürzlich waren die Preise für No-Name-Marmelade bei Discountern und Supermärkten um 10 Prozent angehoben geworden.
Auch Brauereien kämpfen zuletzt stark mit der Glaskrise. Wie der Präsident des Brauerbunds im Südwesten glaubt, wird sich der Preis für einen halben Liter Bier in der Kneipe bei rund fünf Euro einpendeln. Schuld ist vor allem der Glaspreis. Neuglas sei um gut 70 Prozent teurer geworden.
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